Wettbewerber unter die Lupe genommen

Kritisch prüft der Brotsommelier das Schokobrötchen eines Mitbewerbers. (Foto: De Wit)

Wettbewerber versprechen echtes Backhandwerk – doch ein Vergleich entlarvt das Gegenteil

„Ich weiß ja nicht, wozu ein Weizenbrötchen Aroma braucht!“ Dominique Huth schüttelt den Kopf, als er ausgewählte Produkte der Bäckerei Huth mit entsprechenden Gegenstücken eines Wettbewerbers aus Limburg vergleicht. Schnell wird klar: Ein „echter“ Bäcker ist der Konkurrent nicht – trotz großer Versprechungen an den Kunden, man backe nur mit reinen Rohstoffen und nach traditioneller Handwerkskunst.

Auf dem Prüfstand stehen in der Backstube am Schlag unter anderem Weizen- und Körnerbrötchen, Muffins, Schokobrötchen sowie Snacks aus mehreren anderen Bäckereien. „Wenn man gutes Mehl einkauft, dann kriegt man schon mal gleich besseres Aroma. Wenn ich dann noch die richtige Teigführung habe und Liebe zum Produkt, dann bekomme ich auch einen Geschmack rein“, hebt Dominique Huth hervor, warum das aus Mehl, Wasser, Fett, Malz, Steinspeisesalz und Hefe gebackene „Hüthchen“ punktet. Das bezieht seinen Geschmack nämlich aus natürlich entstandenem Aroma.

Industrieband
Zudem ist der Meisterbäcker überzeugt, dass sämtliche Brötchen aus einem Konkurrenz-Sortiment aus dem gleichen Grundteig hergestellt wurden. Zu leicht, das zeigt die Waage, seien viele Produkte außerdem. Bei einer Brezel eines der Mitbewerber, die Huth mit einer aus einer hiesigen Selbstbedienungsbäckerei vergleicht, fliegt der „Handwerks“-Schwindel dann vollends auf: „Die haben die gleiche Größe, sind gleich aufgebaut und haben die identische Musterung des Industriebands. Das ist wie ein DNA-Abdruck!“ Die Bäckerei gibt also eine industriell gefertigte Backware als ein in der eigenen Backstube hergestelltes Produkt aus.
Geradezu desaströs wird es, als der Brotsommelier sich das Schokobrötchen der selben Vergleichsbäckerei vornimmt und es dem „Pain au chocolate“ der Bäckerei Huth gegenüberstellt: Kommt dieses nämlich mit elf Zutaten aus, enthält das Produkt des anderen Betriebs geschlagene 46! Darunter finden sich Inhaltsstoffe mit exotischen Namen wie „Stärkenatrium octenylsuccinat“, „Acetyliertes Distärkephosphat“ und „Acetyliertes Distärkeadipat“, die das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) auf seiner Homepage wie folgt definiert: „chemisch modifizierte Stärke. Der Rohstoff für die Stärke kann aus gentechnisch verändertem Mais stammen.“ Das Geliermittel „Natriumalginat“ soll verdicken, das synthetisch hergestellte „ß-Carotin“ künstlich Farbe verleihen, die ebenso unappetitlich klingenden „Natriumphosphate“ dienen als Säureregulatoren. Zu den enthaltenen „Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren“, die mit der Nummer E 471 gekennzeichnet werden, klärt das BZfE auf: „Spaltprodukte von Fetten, die großtechnisch aus Fettsäuren und Glycerin gewonnen werden.“

Regional? Die Kürbis-kerne der Konkurrenz (rechts) sind kleiner als die von Huth und stammen vermutlich aus China. (Foto: De Wit)

Fettglasur
Es handelt sich dabei um Emulgatoren, die, wie Dominique Huth erläutert, „die Oberflächenspannung zwischen öligen Produkten und Wasserprodukten verringern, damit sie sich miteinander vermischen. Das ist klassischerweise bei der Fettglasur so.“ Denn: Mit richtiger Schokolade wartet das „Schokoladenbrötchen“ des Vergleichsbetriebs gar nicht auf, von der Oberfläche bröckelt vielmehr eine Fettglasur ab. „Die besteht aus Kakaorohmasse, billigem Palmfett, Zucker, Lecithin, Stabilisatoren, Emulgatoren. Davon kriegt man doch definitiv Sodbrennen.“, hält der Brotsommelier ungläubig fest. „Der ,Bäcker‘ sollte hier lieber gleich noch einen Säurehemmer mit einbacken.“
Kein Wunder also, dass dem Schokobrötchen des Wettbewerbers laut Deklaration „Schoko-Vanille-Aroma“ zugesetzt werden musste. „Das ist ein reines Industrieprodukt, obwohl der Bäcker behauptet, er hätte es selbst gemacht“, verdeutlicht Dominique Huth. Das „Pain au chocolate“ hingegen beinhaltet feinste Kuvertüre aus Kakaorohmasse, Kakaobutter und Zucker. Künstliches Aroma benötigt der Huth-Klassiker nicht, hat er doch mit Steinspeisesalz, echter Vanille und Rapsöl die Natur auf seiner Seite.

Tipp
Übrigens: Bei den Preisen halten sich die Bäckerei Huth, und Wettbewerber aus Limburg, wie sich bei dem Test herausstellte, die Waage. Man muss sich also sehr wundern, dass es noch immer Kunden gibt, die wegen einer Differenz von wenigen Cents ein industriell hergestelltes Produkt echter Backkunst vorziehen. Dabei sei es doch erschütternd, „dass der Kunde so offensichtlich belogen wird“, resümiert Dominique Huth. Daher der Tipp des Brotsommeliers: „Ich habe mal gelernt: ,Iss nichts, was du nicht kennst.‘ Daran sollten sich die Verbraucher ein Beispiel nehmen.“ 

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