Ein bisschen Gas geben.

Nur fünf Minuten braucht der Diezer zu seinem Arbeitsplatz. Am Herd steht der einstige Koch-Lehrling auch gelegentlich noch und bereitet mit Freunden ein gemeinsames Essen zu.
Nur fünf Minuten braucht der Diezer zu seinem Arbeitsplatz. Am Herd steht der einstige Koch-Lehrling auch gelegentlich noch und bereitet mit Freunden ein gemeinsames Essen zu. (Foto: Schmalenbach)

Teamleiter Marc Hammerschmidt scheut keine Verantwortung und steckt sich große Ziele

Die Karriere von Marc Hammerschmidt beim echten Bäcker kann sich wirklich sehen lassen. Innerhalb von nur zwei Jahren hat es der engagierte Verkäufer vom Einsteiger zum Teamleiter gebracht. Erst arbeitete er im Fachgeschäft in der Werner-Senger-Straße und im „Café 364“ am Limburger Bahnhof. Dann half er dabei, das „Dippsche“ in Limburg-Staffel zu etablieren. Nun hat er das Zepter im neuen Bäckerei-Café „Wilhelms“ in Diez übernommen und erfüllt sich damit in „seinem Laden“ einen großen Wunsch.
Verantwortung zu übernehmen, sich beruflich zu entwickeln, das ist ein Herzensbedürfnis von Marc Hammerschmidt. Bereits früh hatte er gehofft, dass er irgendwann Teamleiter sein könne, die Abläufe in einem „eigenen“ Huth-Fachgeschäft steuern dürfe. „Das hatte ich mir schon lange ausgemalt. Das war eigentlich schon von Anfang an mein Kopfgedanke“, gibt er schmunzelnd zu. Dieser Traum wurde im „Wilhelms“ wahr.
Als Teamleiter fallen für den Huth-Mitarbeiter einige zusätzliche Aufgaben an. „Man muss gucken, dass die benötigten Mengen Backwaren passen, dass die Dienstpläne geschrie-ben werden, die Bestellungen gemacht sind. Dass alles richtig läuft“, erklärt er. Dies erfordere ein Gespür für die optimale Planung. „Man muss immer schauen, wie man am besten bestellt. Heute ist es so, morgen wieder so.“ Schwer sei ihm die Umstellung aber nicht gefallen. Ohnehin konnte er sich von Be ginn seiner Beschäftigung beim echten Bäcker an gut in die verschiedenen Tätigkeitsbereiche einfinden.

Allergie
Dabei sollte Marc Hammerschmidts Berufslaufbahn einst in eine etwas andere Richtung ver-laufen. Vor Jahren nahm der Diezer eine Ausbildung zum Koch auf. Seine wahre Leidenschaft war dies aber eigentlich nicht. Eine Lebensmittelallergie und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit als Koch bezeichnet er darum heute als „das Beste, was mir passieren konnte“. Denn so musste der damalige Lehrling 2008 umdisponieren – „und ich bin umgesattelt auf den Verkauf.“

Zunächst waren es noch Klamotten, die Hammerschmidt in Bekleidungsgeschäften an den Kunden brachte. Dann wechselte er zu einer Bäckerei in Limburg. Jenen Arbeitgeber verließ er jedoch schließlich 2016, zugunsten des echten Bäckers.

Eine Entscheidung, die Marc Hammerschmidt ganz bewusst getroffen hat. Zu der Limburger Traditionsbäckerei hat er nämlich einen persönlichen Bezug. „Meine Verwandtschaft kauft schon seit über 20 Jahren bei Huth“, erzählt der Mitarbeiter, der seine Kindheit in Hahnstätten verbrachte. Somit begleite der echte Bäcker ihn bereits sein ganzes Leben lang. „Bessere Qualität kann man eigentlich nicht bieten.“

Discounter
Daher könne er Menschen nicht verstehen, die sich ihre Backwaren beim Discounter holen – und damit auf „unterirdisches Essen“ zurückgreifen, das mit Vormischungen, künstlichen Aromen und Geschmacksver-stärkern hergestellt wird. Die hochwertigen Produkte des echten Bäckers stehen für ihn außer Konkurrenz: „Hier bei Huth haben wir keine Konservierungsstoffe, die anderen backen mit ihren Zaubermitteln jedes Mal“, lobt er seinen Arbeitgeber.

Marc Hammerschmidt lebt für seinen Beruf.
Marc Hammerschmidt lebt für seinen Beruf.

Seinen raschen Aufstieg vom Einsteiger zum Teamleiter hat Marc Hammerschmidt nicht nur seinem Fleiß und seiner Leidenschaft für seinen Beruf zu verdanken, sondern nicht zuletzt ebenso seiner Einstellung. „Wenn man ein bisschen Willensstärke und Interesse zeigt, hinter der Firma steht und sagt: ,Ich arbeite mit der Firma und nicht gegen sie‘, dann muss man auch ein bisschen Gas geben“, findet der pflichtbewusste Huth-Mitarbeiter. Und natürlich hört er damit nicht auf, nun, da er seine Wunschposition begleitet.
Ihm sei es vielmehr umso wichtiger, der neuen Verantwortung für den Betrieb im „Wilhelms“ gerecht zu werden, zum Beispiel dafür Sorge zu tragen, dass das Fachgeschäft stets aufgeräumt ist, die Backwaren ansprechend angeboten werden. „Eine saubere, ordentliche Theke, die gut präsentiert ist, ist die halbe Miete, und die Leute sehen dann: ,Man gibt sich hier Mühe, da gehen wir gerne hin.‘“ Die Zufriedenheit seiner Kunden geht dem Diezer über alles. „Man kann doch nicht einfach die Kuchen oder die Bröt-chen reinklatschen und denken, die verkaufen sich von selbst.“

Präsentation
Deshalb sei der Vergleich mit anderen Bäckereien manchmal auch äußerst erschreckend. Unansehnliche Theken mit Waren vom Vortag hat Marc Hammerschmidt nämlich bereits zur Genüge zur Kenntnis nehmen müssen. „Die Kunden haben aber ein Recht auf frische Ware“, schüttelt der Fachmann verständnislos den Kopf. Es gibt jedoch gleichfalls die andere Seite: Gefällt ihm die Angebotspräsentation einer Bäckerei besonders gut, macht er ein Foto, tüftelt aus, wie er die Idee so oder ähnlich im „Wilhelms“ um-setzen könnte.

„Arbeiten ist einfach meins. Ich muss immer was zu tun haben“, betont Hammerschmidt aus tiefster Überzeugung und lacht: „Selbst, wenn ich mal krank bin, langweile ich mich schon zu Tode, wenn ich daheim bin.“ Seine Wohnung sieht der sportliche und unternehmungslustige Verkäufer oh-nehin eher selten: Wenn er nicht gerade im Fitnessstudio ist, begibt er sich auf Radtouren mit Freunden oder powert sich beim Joggen aus. Folgerichtig stört es das Energiebündel überhaupt nicht, dass es als Teamleiter erheblich mehr zu tun gibt, als in früheren Zeiten. Im Gegenteil: „Das macht hier einfach Spaß.“ Damit das so bleibt, ist es dem Huth-Mitarbeiter sehr wichtig, dass zwischen allen Kollegen eine gute Stimmung herrscht und niemand zurückstecken muss. „Wenn es mal Probleme gibt, muss man die ansprechen. Wenn etwas stört, muss man das auch bedenkenlos weiterge-ben können“, ist der Diezer überzeugt. Er habe stets ein offenes Ohr für sein Team, wolle nicht, dass jemand benachteiligt wird.

Gleichheit
Vielleicht gerade, weil er es selbst auch schon anders kennengelernt hat. Bei seinem vorherigen Arbeitgeber habe er mehrfach erlebt, dass Bewerber abgelehnt wurden, die aufgrund von Vorurteilen als leistungsschwach wahrgenommen wurden oder einem bestimmten Schönheitsideal nicht entsprachen. Für Marc Hammerschmidt ein äußerst verwerfliches Vorgehen. Chancengleichheit liegt dem sozial eingestellten Huth-Mitarbeiter sehr am Herzen. Doch schließ-lich erkenne er, dass jene Praxis nicht überall gilt: „So etwas ist ja schon ein Schlag ins Gesicht, und dann denkst du dir: ,Das würde dir beim Huth nicht passieren.‘ Zum Glück!“

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