Wirklich nostalgischer Charme in Diez

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„Wir haben tolle Kunden! Sie sind alle nett – die Diezer sind klasse!“

Das Bäckereifachgeschäft in der Diezer Rosenstraße befindet sich an einem besonderen Ort.

„Wir haben tolle Kunden! Sie sind alle nett – die Diezer sind klasse!“

Dieses positive „Urteil“ fällt Olga Elsesser über die Menschen, die Tag für Tag das Bäckereifachgeschäft des echten Bäckers Huth in der Diezer Rosenstraße aufsuchen, um sich mit Backwaren und leckeren Produkten aus der Konditorei am Schlag in Limburg einzudecken.
Die Verkäuferin des in ein historisch bedeutsames Gebäude eingebetteten Ladens hat festgestellt, dass viele Kunden bewusst kämen, „weil sie es hier bei uns so schön finden“.

Seit 14 Jahren ist Olga Elsesser Teil des Huth-Teams. Mit einer Kollegin wechselt sie sich ab und kümmert sich um die Menschen, die in der Diezer Altstadt beim echten Bäcker Huth einkaufen. Jeweils zwei aufeinander folgende Tage arbeitet die gewinnende Verkäuferin während der Frühschicht, dann folgen zwei Tage „spät“. Geöffnet ist montags bis freitags zwischen sieben und 18 Uhr, am Samstag von sieben bis zwölf.
„Alle, die hereinkommen, sind begeistert, wie es hier aussieht“, hat Elsesser in der langen Zeit beobachtet. Die besondere Einrichtung, die Fachwerkidylle des Bäckereifachgeschäftes spreche die Menschen an – die Diezer wie viele Touristen, die die einstige Residenzstadt, ihre Altstadtkulisse, die historischen Gassen im Schatten des den Ortskern überragenden Grafenschlosses besuchen und genießen.

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Das Bäckereifachge-schäft versprüht mit vielen historischen Details wie diesen alten Holzbackformen einen ganz eigenen Charme, den die Kunden mögen.

Atmosphäre
Dazu passt das besondere Bäckereifachgeschäft, in dem sich alte, hölzerne Backformen an den Wänden finden, wuchtige Balken über den Brotregalen thronen und eine geschichtlich bedeutsame Umgebung eine ganz eigene Atmosphäre schafft. Georg C. Pick, Vorsitzender des „Museums- und Geschichtsvereins für Diez und Umgebung“, verweist auf den historischen Ursprung der Rosenstraße, in der die sehenswerte Bäckerei beheimatet ist: Die Straße sei im Zuge der Neustadtbebauung in Diez entstanden. „Ein Teil der Wilhelmstraße ist die erste barocke Stadterweiterung unter Fürstin Albertina Agnes (Anm. d. Red.: von Oranien-Nassau) gewesen. Das war 1680/90“, erzählt Pick. Die zweite Erweiterung kam mit der Diezer Neustadt; dort entstanden schließlich die Rosenstraße, der Marktplatz, die Schulstraße, die Unterstraße und der Ernst-Scheuern-Platz. Diese zweite barocke Stadterweiterung, erläutert Pick, sei ab 1704 unter Fürstin Henriette Amalie von Anhalt-Dessau angelegt worden. Sie war die Schwiegertochter von Albertine Agnes.

Kanal
Für die Neustadtbebauung musste seinerzeit zunächst die Aar verlegt und in einen Kanal gefasst werden. Erst dadurch konnte die Neustadt gebaut werden, schildert der Kunsthistoriker. „Das war für die Menschen damals ein riesiges Ding, und auch heute ist das für die Diezer noch sehr spannend.“ Die Entwicklung der an der Stadtmauer gelegenen Rosenstraße sei im Laufe der Zeit kontinuierlich weitergegangen. „Sie war immer im Wandel und hat sich weiter modernisiert.“

Zwerchhaus
So seien die Gebäude der Rosenstraße heute natürlich in einer erneuerten Form zu erkennen. „Aber hinter den Fassaden kann man immer noch die barocken Häuser sehen.“ Wie beim Haus Nummer vier, in dem sich das Fachgeschäft des echten Bäckers Huth befindet: „Das ist ein zweigeschossiges Zwerchhaus, ein für Diez typisches Haus.“ Ein solches Gebäude weist einen zum Hauptdach rechtwinklig stehenden Dachaufbau auf. „Zwerchhäuser waren ganz wichtig, um das Dachgeschoss für Lagerungen zu nutzen, also für zusätzliche Lagerfläche. Sie sind in Diez ein Charakteristikum für die barocke Neustadt“, betont Kunsthistoriker Pick. Die Gebäude verfügen über gerade Giebel oder – wie das Haus Nummer vier – über geschwungene. Überhaupt, schwärmt Georg C. Pick, sei das Haus, in dem das Fachgeschäft des echten Bäckers Huth untergebracht ist, ein besonders sehenswertes Exemplar: „Es hat außerdem eine für Diez typische barocke Haustür mit Oberlicht.“

„Die Kunden kommen herein und denken: ‚Wie früher‘“, beschreibt Olga Elsesser den Effekt, den die geschichtsträchtige Kulisse hat. Ein ausgesprochen hübsches Detail ist dort eine – mit reichlich „Patina“ versehene und mit Leder bezogene – kleine Bank rechts neben der Eingangstür: Dort, so Elsesser, ließen sich viele Kunden nieder, genössen ein paar Minuten Ruhe und Erholung in dieser herrlichen, hölzernen Umgebung und im Duft frischer Backwaren, ehe sie ihre Wege nach dem Einkauf in der Bäckerei Huth in Diez fortsetzten.

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Brötchen werden ganztags gebacken. Mag auch das Gebäude altertümlich wirken, so ist das Angebot an heutige Lebensgewohnheiten angepasst.

Umbau
Heinz Huth, Vater der heutigen Unternehmenslenker Dominique und Sascha Huth, erinnert sich noch daran, wie die Bäckerei das jetzige Diezer Ladenlokal übernommen hat. Zuvor sei in den Räumlichkeiten eine Elektrowerkstatt beheima-tet gewesen. Ehe der echte Bäcker Huth in das historische Gebäude einziehen konnte, musste einiges getan werden: „Das Haus war in marodem Zustand, der Putz fiel von den Wänden.“ Sascha Huth kann dem nur beipflichten: „Das war ein abenteuerlicher Umbau.“ Doch habe das Gebäude, in dem das älteste, am gleichen Standort befindliche Fachgeschäft des echten Bäckers Huth untergebracht ist, einen wirklich „nostalgischen Charme“, wie Sascha Huth begeistert formuliert.

Feierabend
Und trotz der an frühere Jahrhunderte erinnernden Ku-lisse ist das Bäckereifachgeschäft selbstverständlich „up to date“, was die Kundenbedürfnisse angeht. So werden alle Brötchensorten ganztags frisch in einem Etagenbackofen gebacken. Dadurch kann jeder auch am Nachmittag oder selbst auf dem Weg in den Feierabend in der Rosenstraße anhalten (kostenfreie Parkplätze gibt es auf einem Parkstreifen direkt vor der hölzernen Türe) und frische „Hüthchen“ oder „Premiumbrötchen“ mitnehmen.

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