Bäcker Emrih Repaj ist ein Beispiel für gelungene Integration

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Seine Ausbildung in der Bäckerei Huth hat Emrih erfolgreich beendet, arbeitet weiterhin fleißig Nacht für Nacht in der Backstube am Schlag.

Vor einem Jahr schloss Emrih Repaj seine Lehre in der Bäckerei Huth ab, ist nunmehr fertig ausgebildeter Bäcker im Team der Backstube am Schlag. Doch der junge Mann winkt bescheiden ab: „Man lernt ja nie ganz aus. Ich will immer noch besser werden.“ Er weiß, was es heißt, für seine Ziele zu kämpfen und dabei Mühen auf sich zu nehmen. Als Flüchtling kam der gebürtige Albaner im April 2015 nach Deutschland. Damals war Emrih gerade einmal 17 Jahre alt, sein ihn begleitender Bruder 14: „Wir haben bei Null angefangen.“

„Ich wollte immer diesen Weg: täglich arbeiten, so wie jeder andere in diesem Land“, erzählt Emrih Repaj. Viele seiner Träume hat sich der Zuwanderer bereits erfüllen können. Er ist, wenn man so will, ein perfektes Beispiel für eine gelungene Integration: Seine Ausbildung in der Bäckerei Huth hat Emrih erfolgreich beendet, arbeitet weiterhin fleißig Nacht für Nacht in der Backstube am Schlag, spricht ausgezeichnet Deutsch – auch, wenn er das selbst etwas anders sieht, wie er zwinkernd einwirft. Deutschland, betont der Wahl-Limburger nachdenklich, sei mittlerweile seine Heimat. „Im Vergleich zu meiner Herkunft muss ich sagen: Dies ist mein Land. Als wäre ich hier geboren.“
In Albanien sah Emrih dagegen schon als Jugendlicher keine Perspektive für sich. Eine Arbeit zu finden, sei in der südosteuropäischen Republik ein purer „Glücksfall“, beschreibt der Huth-Mitarbeiter. Seine Familie litt wirtschaftliche Not. Für Emrih ein unerträgliches Leben. „Staatliche Hilfe kennen wir in Albanien nicht.“

Unterkunft
Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder machte er sich mit der Hoffnung auf ein besseres Leben auf den Weg nach Deutschland. Doch die Realität war ernüchternd. Zunächst kamen die Brüder in eine Flüchtlingsunterkunft in Gießen, später ging es weiter nach Weilburg. Überall Fremde, eine unbekannte Sprache, zudem ständig die Gedanken an die in der Heimat zurückgelassenen Eltern und Schwestern.
Doch Emrih verlor nicht den Mut. „Wir haben am Anfang, die ersten 30 Tage in Deutschland, nur Englisch gesprochen. Dann nur noch Deutsch, und zwar, ob wir können oder nicht – das war für uns nämlich Pflicht“, schildert der Bäcker seine damalige, bewundernswerte Einstellung. „Es fiel uns echt schwer, zu Beginn wollte ich sogar wieder nach Hause. Doch da war immer die Stimme in meinem Kopf: ,Du musst dich anstrengen!‘“

Dies tat er. Die neue Sprache lernte er so hartnäckig, dass er einen Intensivkurs an der Volkshochschule mit beachtlichen 98 Prozent bestand! Daraufhin besuchte er für einige Monate die Hauptschule, machte seinen Abschluss mit einem Notendurchschnitt von 2,7. Vor allem, blickt Emrih zurück, habe er sich damals für das Fach Geschichte begeistert. Es habe ihm dabei geholfen, manches über seine neue Heimat besser zu verstehen. „Ich wollte wissen, was dieses Land erlebt hat. Ich liebe es, wenn ich immer etwas Neues über Deutschland lernen kann.“

Nur die Schulbank zu drücken, reichte dem fleißigen Albaner allerdings nicht. Durch zahlreiche Praktika gewann er zusätzliche Eindrücke, um „alles über das Arbeitsleben zu erfahren.“ Mit dem Abschlusszeugnis „in der Tasche“ sah sich Emrih dann nach einer Lehrstelle um, bewarb sich bei unterschiedlichen Unternehmen. Eigentlich hatte er gedacht, dass ihm für die Suche etwas Zeit bliebe, doch plötzlich musste es ganz schnell gehen: „Nach der Schule bekam ich einen Bescheid, dass ich Deutschland verlassen müsse, weil in der Zwischenzeit Gesetze geändert wurden.“ Nur ein Ausbildungsplatz konnte Emrih noch vor der drohenden Ausweisung retten. Durch seinen Betreuer, der Kontakte in die Backstube am Schlag hatte, fand er schließlich zur Bäckerei Huth – gerade einmal zwei Wochen nach seinem Schulabschluss!
Auch die Lehre beim echten Bäcker Huth packte Emrih mit vollem Ehrgeiz an, lernte schnell, gewöhnte sich an die Abläufe in der Backstube, welche er heute als sein „zweites Zuhause“ bezeichnet. „Ich liebe meine Arbeit“, schwärmt er. Inzwischen lebt Emrih in einer eigenen Wohnung. Sein Bruder arbeitet beim Straßenbauamt, absolviert dort eine Ausbildung.

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In Limburg ist Emrih Repaj glücklich. Durch die vielen netten Leute, die er hier kennengelernt habe, fühle er sich „einfach wohl!“

Einstellung
Die Berufstätigkeit war für Emrih nie bloß eine Option, sondern gehört zu seiner Lebenseinstellung. „Wenn Leute jetzt auf der Straße zu mir sagen: ,Du bist als Flüchtling gekommen und lebst von unseren Steuern‘, kann ich antworten: ,Nein, schau her, ich gehe arbeiten, verdiene mein eigenes Geld.‘ Das ist mir sehr wichtig!“ Tatsächlich hat Emrih Situationen wie diese bereits erlebt. Anfeindungen musste er mehrfach über sich ergehen lassen. Doch genauso fand er in Limburg zahlreiche Freunde und liebe Menschen. „Man lernt hier so viele nette Leute kennen. Ich bin wirklich angekommen.“

Aktuell nimmt Emrih Fahrstunden, um seinen Pkw-Führerschein machen zu können. Irgendwann, erzählt er, würde er gerne heiraten, eine Familie gründen. Eine Zukunft, die ihm unter den wirtschaftlichen Bedingungen in seinem Heimatland vermutlich verwehrt geblieben wäre. Umso glücklicher sei er über die Möglichkeiten, die ihm der Gesellenbrief in der Tasche für sein Leben bietet: „Egal, wo ich auch ,steckenbleiben‘ würde – ich hätte jetzt immer einen Weg.“

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