„Ich mag die Gesellschaft“

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Zurzeit vertritt die Verkäuferin eine Kollegin im Kirberger Fachgeschäft der Bäckerei Huth, sonst arbeite sie im „Café 364“. Ihre selbstgenähte Maske ist immer mit dabei.

Sich kreativ „auszutoben“, gehört bereits seit Jugendtagen zu Anke Schmidts Lieblingsbeschäftigungen. Sie malt, backt, bastelt. „Alles, was mit Händen gemacht werden kann, macht mir Spaß“, schmunzelt sie. Von dieser Neigung profitieren dann mitunter Menschen, denen die sympathische Verkäuferin eine Freude bereiten möchte – „einfach nur so.“ Als die Mitarbeiter des im Limburger Hauptbahnhof beheimateten „Café 364“ vergangenen Dezember ein kleines Weihnachtspräsent für Dominique und Sascha Huth vorbereiten wollten, war daher einmal mehr das künstlerische Geschick ihrer Kollegin gefragt. Das Ergebnis: Ein originelles Porträt der beiden Geschäftsführer, über das sich die Brüder überaus gefreut haben.

Hochzeitstorte
Für nette Gesten ist Anke Schmidt im Traditionsbetrieb bekannt. Wenn sie sich ein T-Shirt designed, auf dem natürlich auch das Firmenlogo nicht fehlen darf, bedenkt sie ihre Kolleginnen gleich mit. Und steht sie daheim in der Küche, gibt es am nächsten Tag schon einmal „Geschenke“ für die anderen. „Ich backe selber gerne“, deutet Schmidt an, warum sie perfekt in ein Bäckereifachgeschäft passe. „Für eine Kollegin habe ich neulich die Hochzeitstorte gemacht, und ich habe wohl schon alle bei uns mit Kuchen versorgt“, zwinkert sie.
Dass sie ihre Zugehörigkeit zum echten Bäcker Huth ausdrücken möchte, hat gewiss damit zu tun, dass sich Schmidt in der Traditionsbäckerei ausgesprochen wohl fühlt; ein Umstand, der – wie sie sagt – keine Selbstverständlichkeit sei. Anke Schmidt hat auch das Gegenteil erlebt. Bevor sie beim echten Bäcker Huth arbeitete, war sie für eine Großbäckerei in Limburg tätig, in der sie nicht sehr glücklich war. Das „menschliche Miteinander“ habe ihr dort teilweise gefehlt. Als eine damalige, ebenfalls unzufriedene Kollegin zur Bäckerei Huth wechselte, sei sie neugierig geworden, erzählt Anke Schmidt: „Da habe ich sie gefragt: ,Brauchen die noch jemanden?‘“ Tatsächlich suchte der Handwerksbetrieb weitere Verstärkung im Verkauf, und so bewarb sich Schmidt. Nach kurzer Zeit schon erhielt sie die ersehnte Nachricht: Sie durfte beim echten Bäcker Huth anfangen. „Was ich dann kurz darauf, im Januar 2017, getan habe.“

Lebensplanung
Dabei war es in Anke Schmidts ursprünglicher Lebensplanung eigentlich gar nicht vorgesehen, dass sie Verkäuferin wird. Sie hat Wirtschaftsinformatik studiert, pendelte jahrelang zwischen ihrer Heimat Werschau, in der sie noch heute lebt, und ihrem Studienort Friedberg. Doch das Fach, für das sich Schmidt dereinst entschied, sollte ihre Erwartungen nicht erfüllen: „Es war mehr Informatik als Wirtschaft, das war dann doch nicht so meins, allein schon das Programmieren…“, lacht die Huth-Mitarbeiterin. Jener Umstand hielt sie allerdings nicht davon ab, die akademische Ausbildung mit einem Bachelor-Abschluss zu beenden. „Diesen Ehrgeiz hatte ich schon noch!“

Ihre wahre Leidenschaft entdeckte Schmidt dagegen abseits des Studiums. Sie jobbte nebenher als Verkäuferin in einem Schnellrestaurant und erkannte rasch, dass es der Umgang mit Kunden sei, den sie bereichernd finde. Ihre Eltern hatten früher einen kleinen Lebensmittelladen in Werschau; vielleicht, fügt Schmidt an, sei ihr das Verkaufen einfach „in die Wiege gelegt“ worden. „Man ist dabei immer mit Leuten in Kontakt. Das mag ich einfach.“ Daher überrascht es wohl kaum, dass sich die Hobbymalerin nach dem Studium direkt nach einer Stelle als Verkäuferin umsah.

Unterhaltung
Heute möchte die Werschauerin diese Tätigkeit nicht mehr missen. In der Bäckerei Huth hat sie zudem schon viele tolle Bekanntschaften machen dürfen. „Ich mag die Gemeinschaft und die tägliche Arbeit bei Huth, und natürlich die Unterhaltungen mit den Kunden. Die meisten von ihnen kennen dich mit Namen, das ist etwas Schönes. Wir haben viel Spaß miteinander. Das ist immer witzig und auch gegenseitig – die Kunden haben Freude mit uns und wir mit ihnen.“ Darüber hinaus breche sie manchmal zu gemeinsamen Unternehmungen mit Kolleginnen auf.

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Nicht nur ihr T-Shirt hat Schmidt selbst gestaltet: Mit Hilfe einer Zeichen-App entstand ebenso dieses Bild, ein Geschenk für Sascha (links) und Dominique Huth.

Was ihr an ihrem vorherigen Arbeitsplatz fehlte, schätzt Anke Schmidt heute umso mehr: Wertschätzung, Respekt, ein freundliches Miteinander auf allen Ebenen. „Hier kennen die Chefs meinen Namen. Sie grüßen mich und nehmen mich wahr“, lobt sie Dominique und Sascha Huth. Den Geschäftsführern der Bäckerei Huth ist es übrigens auch zu verdanken, dass man sich von Anke Schmidts künstlerischem Talent an mehreren Orten selber überzeugen kann: In Limburg im Bäckerei-Bistro „Dippsche“ und im Fachgeschäft in der Bruder- Kremer-Straße sowie im Diezer „Wilhelms“. Über den Theken hängen dort große Angebots- und Preistafeln, die buchstäblich die Handschrift Anke Schmidts tragen. „Ich wurde gefragt, ob ich die bemalen und beschriften kann. Und dann habe ich mir etwas überlegt. Man hat mir freie Hand gelassen.“

Seminar
Den Stein ins Rollen gebracht hat allerdings ein Motiv im „Café 364“ – dort hat die Verkäuferin auf Anregung von Dominique und Sascha Huth ein Bild vom Limburger Dom an die Wand gemalt. „Damit fing im Grunde alles an“, lacht Schmidt. Die beiden Geschäftsführer waren von dem Talent ihrer Mitarbeiterin so begeistert, dass sie ihr ein zweitägiges „Handlettering“-Seminar ermöglichten, in dem Anke Schmidt ihre Fähigkeiten in Schriftkunst vertiefen konnte. Über diese Förderung ist die 33-Jährige ausgesprochen gerührt. So ist es verständlich, dass sie ebenfalls viel Wertschätzung für ihren Arbeitsplatz sowie für das „echt tolle Team“ aufbringt: „Wenn ich mich irgendwo wohl fühle, hat man lange etwas von mir. Und mir macht es einfach Spaß bei Huth!“
Text: Andra de Wit

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