Im „Dippsche“ gibt es alte und neue Dippsche

Im „Dippsche“ gibt es alte und neue Dippsche
Mit der Computer-Simulation des Ladenbauers gewinnt man schon einen guten Eindruck, wie es im Innern des neuen Cafés aussehen wird. Visual: Pawolka

In direkter Nachbarschaft zur ehemaligen Steingutfabrik Staffel eröffnet an der Elzer Straße am 10. Oktober ein höchst originelles Café des echten Bäckers.

Daphne“, „Tender“, „Lutz“, oder „Samba“ werden den Raum zweifelsohne herrlich wohnlich machen. Links der Eingangstür, die zur Elzer Straße zeigt, bekommt „Vanessa“ einen Platz; rechts davon soll „Colette“ in Walnuss den Gästen des „Dippsches“ einen angenehmen Aufenthalt ermöglichen. Die Namen gehören selbstverständlich nicht zu Personen, sondern Sitzmöbeln und Tischen, die das neueste Café des echten Bäckers zukünftig zu einem innenarchitektonischen Highlight und einem echt gemütlichen Platz werden lassen. Relativ kurz vor der Eröffnung gilt es allerdings noch, innen und außen eine Menge Arbeit an dem zukünftigen Bäckereifachgeschäft in Limburg-Staffel zu erledigen.

Etwa 180 Sitzplätze innen und außen, 41 Tische, eine Bruttofläche von 400 Quadratmetern: Das „Dippsche“ könnte schon allein aufgrund seiner Eckdaten beeindrucken. „Ja, es wird unser mit Abstand größter Standort mit einer riesigen Theke“, schwärmt Dominique Huth. Der spezielle Reiz des neuen Bäckereifachgeschäftes mit integriertem Café und Bistro liegt aber woanders: in der pfiffigen, abwechslungsreichen Gestaltung und Einrichtung.

Rückzug

Im „Dippsche“ gibt es alte und neue Dippsche
Die alten Hallen des Keramikwerks Staffel stehen noch. Links daneben ist, etwas weiter hinten, der Standort des
neuen „Dippsches“ zu sehen – in der direkten Nachbarschaft.

Viele verschiedene Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen, einzelne Stühle ebenso wie große Bänke. Lounge-Ecken schaffen Rückzugsräume. Ein per Vorhang abtrennbarer Bereich eignet sich als Meeting-Room ebenso wie für Feierlichkeiten oder einfach als eignene Ecke für Gruppen. Auf dem Fußboden wechseln sich Beläge in Holzund Steinoptik ab, und dann die Dekoration! Überall findet sich „Echt Dom-Keramik“. Das Steingut führt zu den Wurzeln des „Dippsches“. Denn nur einen Steinwurf entfernt und in Sichtweite gelegen, befinden sich die (heute als Club, Gasthaus und Cart-Bahn verwendeten) Gebäude, die einst von der „Steingutfabrik Staffel“ genutzt wurden. Rund einhundert Jahre lang, bis 1989, wurden in dem Keramikbetrieb am Elbbach bunte Teller, Tassen, Kannen und vieles mehr gefertigt. Nach Aufzeichnungen des Hessischen Wirtschaftsarchivs war der Betrieb einstmals sogar größter Steinguthersteller Hessens! Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, so weist es das Wirtschaftsarchiv aus, hatte hier noch eine Mühle ihre Heimstatt, ehe der Engländer Williams sie erwarb und zum keramischen Betrieb mit gerade einmal neun Arbeitern umfunktionierte. Auf drei Drehscheiben wurden zu vorderst Töpfe aus Ton hergestellt. Es folgte eine wechselhafte Geschichte mit zahlreichen Eigentümern, häufigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Konnte das Unternehmen in den 1960er-Jahren noch einen beachtlichen Aufschwung vorweisen und 350 Mitarbeiter beschäftigen, ging es, angetrieben durch Konkurrenz aus Osteuropa, ab da bergab, bis am 22. Juni 1990 Konkurs angemeldet werden musste.

Volksmund

Im „Dippsche“ gibt es alte und neue Dippsche
Etliche echte Stücke der alten „Dom-Keramik“ zieren den Neubau nahe der damaligen Steingut-Fabrik.

Die meist recht bunten Hinterlassenschaften der Fabrikation werden bis heute unter Liebhabern gehandelt – Deckeldosen, Vasen, Krüge und vieles mehr. Oder, um es mit einem Oberbegriff liebevoll hessisch zu umschreiben: „Dippsche“ – Töpfchen. Im Volksmund kannte man die Keramikfabrik Staffel daher auch als „Dippsches Mill“, die Töpfchen-Mühle. Dass hier einstmals eine Hochburg der heimischen Keramik ansässig war, zeigt das neue „Dippsche“ der Bäckerei Huth nicht nur im Namen auf, sondern durch besagte Dekoration – echte „Dippsche“ aus Staffel –, die sicher bei manchem Gast Erinnerungen an das Geschirr vergangener Tage im eigenen Schrank wecken dürften.

Im „Dippsche“ gibt es alte und neue Dippsche
Nicht antik, aber für ein Café ebenfalls extrem ungewöhnlich ist das neue Geschirr, von und aus dem die Gäste essen und trinken werden.

England

Sonst ist das Café natürlich mit allen modernen Segnungen von Automatik-Türen bis zur Klimatisierung ausgestattet, um den Gästen eine maximal angenehme Zeit zu ermöglichen. Und frische Snacks und knackige Backwaren können sie dabei ebenso von ungewöhnlichem – und wie der Steingutfabrik-Gründer aus England stammendem – neuem Geschirr genießen wie die aromatischen Kaffee- oder Teespezialitäten. „Mit den Tellern, Tassen und Schalen greifen wir die keramische Tradition hier in Staffel wieder auf“, unterstreicht Dominique Huth. Bei so vielen pfiffigen Gestaltungsideen, den alten „Dom-Keramik“- Stücken und dem neuen Porzellan, den gemütlichen Sitzecken und einladenden Außenbereichen könnte man fast vergessen, was im „Dippsche“ in Wahrheit das Wichtigste für alle Kunden ist: Das sind und bleiben die hochwertigen Handwerks-Backwaren aus der Meisterbackstube am Schlag…

Text aus Zeit für Brot von Henk van Heerden

 

Hinterlasse eine Antwort