Steigende Preise und Mindestlohn

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Rohstoffe werden teurer.

Viereinhalb Prozent: Um diesen Satz sind die Verbraucherpreise im Oktober zum Vorjahresmonat gestiegen. Dominique Huth blickt sorgenvoll auf die weitere Entwicklung der Inflation und ebenso die Mindestlohnpläne der möglichen künftigen „Ampel-Regierung“: „Damit steigt die Inflation bestimmt auf das Doppelte!“ Das würde dann auch alle Kunden des echten Bäckers betreffen – wobei die Verteuerung wichtiger Rohstoffe schon jetzt in nie dagewesenem Ausmaß durchschlägt.

„Wir müssen unsere Brote im Durchschnitt um 15 Prozent verteuern, wenn wir den angehobenen Mindestlohn auffangen wollen – denn diese Steigerung betrifft bei uns alle Mitarbeiter außer die Führungskräfte“, sagt Huth. Dabei: Nur zwei von fünf Reinigungskräften der Limburger Bäckerei erhalten überhaupt Mindestlohn, daneben etwaig helfende Schüler – wohingegen die Masse der Beschäftigten beim echten Bäcker deutlich mehr auf dem Lohnzettel hat! Jedoch müssten, das ist der Gedankengang Dominique Huths, entsprechend alle Verdienste oberhalb des Mindestlohns angepasst werden, wenn dieser steigt: Wer jetzt 15 bis 17 Euro die Stunde erhalte, müsse eine Erhöhung im selben Verhältnis wie bei der Steigerung des Mindestlohns erfahren.

„Eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland auf 12 Euro pro Stunde bringt unmittelbar rund acht Millionen Beschäftigten eine Verbesserung ihres Lohns“, so heißt es in einer Studie von Prof. Dr. Tom Krebs und Dr. Moritz Drechsel-Grau, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Mannheim, die das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung gefördert hat. Die Untersuchung bestätigt also, dass die Mindestlohnpläne der möglichen neuen Bundesregierung nicht allein die im Mindestlohnbereich Beschäftigten betreffen würde.

Zu diesem Zusammenhang stellt das Statistische Bundesamt in „Auszug aus dem Datenreport 2021 – Kapitel 5: Arbeitsmarkt und Verdienste“ ebenfalls interessante Fakten zusammen: „Insgesamt knapp 2,5 Millionen und somit knapp 7 % aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Gesamtwirtschaft verdienten im Jahr 2018 Bruttostundenlöhne im Bereich von 8,75 bis 9,24 Euro, was in etwa dem Mindestlohnbereich entspricht; 8,04 Millionen beziehungsweise 21,4 % erhielten Löhne im Niedriglohnbereich. (…) Mit der Mindestlohneinführung einhergegangene Verdienstanstiege haben im Bereich niedriger Löhne zu einer Verschiebung der Lohnverteilung hin zu höheren Stundenlöhnen geführt. Jedes Mal, wenn der gesetzliche Mindestlohn erhöht wird, steigen auch die Stundenlöhne derjenigen, die zuvor unter der neuen Grenze verdient haben“, heißt es beim Statistikamt. Ergo: Die Mindestlohnerhöhung hätte wohl Auswirkungen auf insgesamt 10,5 Millionen Arbeitnehmer! Deren bessere Bezahlung könnte indes nur durch verteuerte Produkte finanziert werden.

Daneben sorgt jedoch eine zweite Entwicklung dafür, dass Backwaren (wie viele andere Lebensmittel) in nächster Zeit vermutlich mehr kosten müssen: Die Rohstoffpreise kennen derzeit nur die Richtung „nach oben“. Mehl etwa ist jüngst 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr teurer geworden. „Und wir werden im April wahrscheinlich weitere 35 Prozent Anhebung schlucken müssen“, schluckt Dominique Huth.
Ein anderes Beispiel: Butter, die für den echten Geschmack in Croissants, Reihweck oder Kuchen aus Butter-Hefe-Teig in der Backstube am Schlag unverzichtbar ist. Sie kostet inzwischen doppelt so viel wie noch im Februar des Jahres, 7,70 Euro das Kilo. Sehr sonderbar: Der Bauer profitiert davon nicht entsprechend, seine Milch wird ihm nur um rund fünf Prozent besser vergütet…
Wie auch immer: In der Bäckerei Huth werden (auf haushaltsübliche Packungen umgerechnet) zwischen 120.000 und 140.000 Päckchen Butter im Jahr verbraucht! „Wir arbeiten in unseren Rezepturen eben ausschließlich damit, des Geschmacks wegen – und nicht mit bedenklichem Palmfett“, betont Huth.

„Der Landwirt ist – leider – schon immer schlecht bezahlt worden, weil wir Verbraucher nicht bereit sind, mehr für seine Erzeugnisse zu bezahlen – man schaue nur auf den Milchpreis!“, gibt der Brotsommelier zu bedenken. Aber auch der Bauer sehe sich nun wesentlich höheren Kosten gegenüber, etwa für Strom oder Diesel. Die müsse der Landwirt ebenso weitergeben. Die Logistik der Mühle, die das Getreide des Bauern verarbeitet und zu den Bäckereien fährt, verteuert sich gleichermaßen.

„Wir wissen im Moment gar nicht, wie wir das alles auffangen sollen. Die einzige Möglichkeit, die wir haben, ist, die Preise anzupassen – wenn wir sicherstellen wollen, dass unsere Kunden weiterhin dieselbe, hohe Qualität unserer Backwaren bekommen können und wir bei den Zutaten keine Kompromisse machen“, unterstreicht Dominique Huth. „Um noch einmal das Beispiel Butter zu betrachten: geschmacklich ist Palmfett, wenngleich günstiger, keine Alternative! Und außerdem wird dafür irgendwo auf der Welt der Regenwald abgeholzt, damit die für die Herstellung des billigen Fettes benötigten Pflanzen Platz haben – was wiederum den Klimawandel verschlimmert. Das ist also auch keine Lösung.“

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